Hallo liebe Freunde des vorgetragenen Gedichtes, vor einiger Zeit gebar die Idee doch Mal ein wenig Groundhopping zu betreiben.

Und so ergab es sich, dass 2 belesene Mitglieder vom RSK Fanclub VorgeStern (Beste!) an einem sommerlichen Wochenende Mitte April den Weg nach Leipzig antraten um 2 Tage in dieser beschaulichen Stadt zu verbringen und den örtlichen Poetry Slam zu besuchen.

Bei bestem Wetter und nach einer kurzweiligen Zugfahrt kamen wir mittags am Hauptbahnhof an und fanden auch recht schnell den Weg zu unserer Unterkunft. Diese lag im schönen Stadtteil Connewitz und unweit einer uns empfohlenen Schenke, dazu aber später mehr.

Denn zuerst kam der große Schock. Hatten wir uns im Datum geirrt oder in der Stadt? Wir mussten denn mit Entsetzen feststellen dass gar kein Slam stattfindet an diesem Abend. Betrübt über diese Erkenntnis stellten wir die Weinschorle beiseite und überlegten was nun zu tun sei. Und da kam uns die Idee, dass es hier doch auch einen Roter Stern Verein gibt und wir alternativ dann doch den besuchen könnten. Und wie es der Zufall nun wollte fanden auch tatsächlich 2 Heimspiele statt (was’n Glück oder?).

Rsl Groundhopping 04 2018 Antifa Area

Circa eine Stunde nach feststellen unseres Fauxpas bestritt die 3. Herren Roter Stern Leipzig ihr Spiel gegen die dritte Vertretung der SG Rotation Leipzig 1950 im Sportpark Dölitz, der nur wenige Minuten von unserer Unterkunft entfernt war (Zufälle gibt’s…). Also machten wir uns mit einem Wegbier in der Hand (unser erstes an diesem Tag, ischschwöre) auf die Socken und traten dann unser Ersatzprogramm an.

Da das Wetter, wie eingangs schon erwähnt, sehr sommerlich war und wir ja auch schon eine dreistündige Bahnfahrt hinter uns hatten, entschieden wir uns kurzerhand den Weg zu Fuß anzutreten und erreichten ca. 30 Minuten später dann auch die Spielstätte, deren Eingang doch recht versteckt und unscheinbar zwischen einem Schreibwarenladen und einem Reifenhändler liegt.

Rsl Groundhopping 04 2018 Eingang

Da unsere Getränke schon leer waren begaben wir uns als erstes zum Getränkestand und erwarben 2 gekühlte Hopfenprodukte aus einer ansässigen Brauerei (Sterni! 0,5 L aus der Flasche! Für einen Euro!) und den aktuellen Kiezkicker, das Fanzine des RSL. Daraufhin erkundeten wir ein wenig die örtlichen Gegebenheiten und in Ermangelung der Fähigkeit so etwas Erlebnisgetreu beschreiben zu können, sei nur so viel gesagt: schöner Ground, Echtrasen, ein wenig abgewrackt (herrlich!) und mit 3 Vogel Straussen (schreibt man das so? Keine Ahnung. Hab aber auch keine Lust das jetzt zu googeln) hinter einem Zaun auf dem Nachbargrundstück.

An der einen Geraden Höhe Mittellinie befindet sich auch eine kleine Tribüne, eher vielleicht eine Treppe aus Beton mit ca. 5 Stufen und geschätzt 20m lang. Auf diese begaben wir uns dann auch und erwarteten mit grob 30 anderen Zuschauern den Anpfiff der auch bald folgen sollte.

Die Geschichte vom Spiel ist schnell erzählt: Franky? (gesprochen Fränkieh) war on fire, Rotze (wohl die offizielle Abkürzung für Rotation Leipzig) nur mit 11 Spielern angetreten von denen einer von Beginn an verletzt war und somit die 2. Hz mit 9 Feldspielern auskommen mussten. Rotze (ich bleib jetzt einfach mal dabei) versuchte sehr tief stehend das 0:0 zu halten, was aber nur bis Mitte der 2. Hz gelang. Das Spiel endete irgendwann (ich glaube nach ca. 90 Minuten) dann auch 1:0 für den Roten Stern. Besondere Vorkommnisse: 2 Flitzer versuchten mehrfach das Spielfeld zu betreten, konnten aber von besonnen Zuschauern (müssten jeweils wohl die Eltern der beiden gewesen sein) davon abgehalten werden. Achja, und wir waren unwillkürlich Teil einer Tapeten Choreo deren Inhalt leider nicht mehr genau wiedergeben kann (irgendwer war auf jeden Fall eine coole Sau).

Rsl Groundhopping 04 2018 Coole Sau Tapete

Wir begaben uns dann relativ fix nach Abpfiff zur Straßenbahn, da wir noch kurz in den NoBoarders Shop wollten, bevor dort Feierabend war und ein Fußmarsch zurück vielleicht zu lange gedauert hätte. Was unter Umständen auch am Wetter und dem entsprechenden Verzehr der örtlichen Brauspezialität (Sterni!!) lag. Im Shop angekommen haben wir erstmal die RSK Schals gesucht und auch schnell gefunden. Wir deckten uns dann noch mit ein paar Kleidungsstücken und reichlich Stickers ein und entschlossen uns dann auch Mal langsam feste Nahrung zu uns zu nehmen. War ja schließlich auch schon später am Tag. Gesagt, getan und so setzen wir uns in einen nahen Park / Spielplatz und verzehrten unsere erworbenen Köstlichkeiten an der frischen Luft und tranken dabei auch noch das eine oder andere kühle Getränk (kein Sterni!!!). Anschließend schlenderten wir noch ein wenig durchs Viertel bevor wir uns dann auf den Weg zu unserer Unterkunft machten da die Sonne nun unterging und es auch ein wenig frisch wurde.

Nach einem kurzen Aufenthalt entschlossen wir uns nun einem Tipp nachzugehen und eine bestimmte Schenke aufzusuchen. So liebe Freunde, jeder der mich kennt weiß, dass ich dem Alkoholgenuss ja nicht sooo zugetan bin (was gibt’s da zu lachen Tina?). Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass folgende Ereignisse nur noch lückenhaft wiedergegeben werden können. Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass wir uns beim empfohlenen Gurkenschnaps nicht einig waren, ob der jetzt lecker war (war er nicht!) und ich definitiv meine Zweifel daran habe, dass ein Salat (2cl Gurkenschnaps und 2cl Mexikaner) doch echt super sei. Ich halte Ouzo da für eine bessere Alternative. Immer und grundsätzlich. Später landeten wir auch noch auf irgendeinem Indie Konzert in einem kleinen Schuppen gegenüber der besagten Schenke.

Rsl Groundhopping 04 2018 Gurkenschnaps

Und dann war Sonntagmorgen.

Nach einem recht ausgiebigen Frühstück und einer wohltuenden heißen Dusche packten wir dann schon mal unsere Taschen und begaben uns zum Hauptbahnhof um unser Gepäck in einem Schließfach unterzubringen. Denn unser Zug zurück nach Hamburg ging erst am Abend aber es stand ja noch der Besuch des Spiels der Ersten Herren des RSL an. Dies sollte um 15 Uhr starten und da bis dahin auch noch ein wenig Zeit war, guckten wir uns ein wenig die Innenstadt von Leipzig an und aßen auch noch eine Kleinigkeit zu Mittag. Gut eine Stunde vor Anpfiff machten wir uns dann wieder mit der Straßenbahn auf zum Sportpark Dölitz, was sich als vorausschauend (oder glücklich) herausstellte, denn fand doch an diesem Tag der 42. Leipziger Marathon statt und anstelle der üblichen 20 Minuten brauchten wir ca. 50.

Wir waren aber bei weitem nicht die Einzigen die das betraf und so kamen wir zusammen mit einer großen Traube an Menschen kurz vor Spielbeginn an. Kurz noch das obligatorische Kaltgetränk organisiert (wieder kein Sterni!!!!) und anschließend auf der gegenüber liegenden Seite mit Blick auf die oben erwähnte Tribüne einen Platz eingenommen.

Zu dieser Begegnung gibt es einiges zu sagen, denn der Gegner war der TSV 1862 Schildau und ich versuche hier einen kurzen Überblick zu geben, warum dies so ist (Alles nur angelesen und bestimmt nicht vollständig! Wer mehr darüber wissen möchte sollte sich entsprechende Spielberichte auf der Fansite vom Roten Stern Leipzig www.roter-stern-leipzig.de/chronik.html ).

Rsl Groundhopping 04 2018 Sterne Bande

Der TSV Schildau hat ein gewissen Anteil an Fascho Fratzen in seinem Publikum die natürlich nur zu gerne die Spiele gegen den RSL dazu nutzen sich und ihre verkackte Weltanschauung zu präsentieren. Und während diese Kackbratzen zumindest geduldet werden vom Verein, wird alles versucht um ein Protest dagegen unmöglich zu machen. Es begann mit dem Verbot von Transparenten mit (linken) „politischen Inhalten“ und mündete in der Drohung beim letzten Auswärtsspiel in Schildau die Partie nicht anzupfeifen, sollten die RSL Spieler nicht ihre „Nazis raus aus den Stadien“ Shirts ausziehen. Gewaltandrohungen und Beleidigungen von Seiten der Faschos blieben natürlich auch nicht aus. Aber das ist wie gesagt nur ein Ausschnitt von dem, was in jüngster Zeit vorfiel. Für mehr Infos wie gesagt die oben genannte Seite besuchen oder organisiert euch den aktuellen Kiezkicker (soll z. B. im Fanladen Sankt Pauli ausliegen).

Dementsprechend gab es viele Transparente und Spruchbänder mit klaren Statements und auf der Tribüne wurde eine Blockfahne (sehr geil) präsentiert mit der Botschaft: Antifaschismus lässt sich nicht aussperren (!).

Zum Spiel selbst sei hier eigentlich nur noch erwähnt, dass hier der viertletzte (RSL) gegen den letzten spielte und die Sterne den letzten nicht Abstiegsplatz belegten. Ein Sieg sollte also in mehrfacher Hinsicht möglich, nötig und genugtuend sein. Der Rote Stern war dann auch über weite Strecken überlegen und dominierte den Gegner. Folgerichtig gewannen sie denn auch das Spiel mit 3:0 und verschafften sich ein wenig Luft im Abstiegskampf.

Rsl Groundhopping 04 2018 Spielszene Rsl Schildau

Wir machten uns dann aber auch sehr pünktlich nach Abpfiff auf dem Weg Richtung Hauptbahnhof, wo wir dann nach kurzer Wartezeit unserem Zug gen Hamburg bestiegen und dann auch am späten Abend leicht müde ankamen.

Fazit der Reise: Unbedingt wiederholen! Hat viel Spaß gemacht und das obwohl unser eigentliches Vorhaben, der Poetry Slam, ja irgendwie doch nicht stattfand.

Grüße

PS: Danke an Mareike für die Fotos von dem Wochenende!


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