Alle Anderen sind unnormal…

Wenn man jeden Tag in Hamburg öffentliche Verkehrsmittel nutzt, kommt man irgendwann zwangsläufig zu der Erkenntnis: ICH bin völlig normal… alle anderen sind unnormal!

Da war letzte Woche die Frau, die fünfzehn Minuten lang jemanden per Telefon erklärte, dass Würstchen Mittag sind und keine Zwischenmahlzeit. Kann sein, dass es noch länger ging, aber nach 15 Minuten haben wir uns woanders hingesetzt, da ein Gespräch in normaler Lautstärke nicht möglich war. Die Würstchen übertönten den gesamten Wagon.

Vorgestern nun die Frau neben mir, die hektisch abwechselnd  in ein Taschentuch schneuzte und in einer ihrer drei Taschen kramte. Dabei stieß sie mir jedesmal den Ellenbogen in die dritte Rippe. Kurz überlegte ich, ob ich mich weg setzen sollte. Was soll´s…Ich bin ja ganz normal, alle anderen…

Ach ja und die beiden Teenager, die sich fürchterlich darüber aufregten, dass ihre Deutschlehrerin ihnen die deutsche Rechtschreibung näher bringen wollte. Wie kommt sie bloß auf die Idee? Völlig absurd… “Ey, ist doch voll egal wie man schreibt. Die weiß doch was gemeint ist!”

Nicht zu vergessen den älteren Herrn im Bus. Eine Frau stieg vorne ein und fragte den Busfahrer, ob er eine bestimmtem Haltestelle anfahren würde. Worauf hin er nach vorne bellte: “Kann die nicht lesen, oder was?”

… und die Frau, die sich in der U-Bahn die Fußnägel lackierte…

Neulich saß ich nun in der Bahn und las entspannt auf http://www.belauscht.de. Bei manchen Einträgen musste ich still schmunzeln, bei anderen laut loslachen. Während ich also mal mehr mal weniger laut prustete, bemerkte ich, dass umsitzende Mitfahrer mich beobachteten. Manche lachten mit, andere schauten verwundert und ich konnte in dem Augenblick ihre Gedanken lesen: “Zum Glück bin ich normal, alle Anderen sind unnormal!”

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