Moin aus den Wallanlagen in Bremen

Spaziergang in den Wallanlagen in Bremen

Auf einem frühen Sonntagmorgen ging es wieder auf eine Schienen-Safari. Ziel waren die Wallanlagen in Bremen. Hier erzähle ich euch mehr zu meinem Spaziergang.

Anreise

Wie immer ging die Tour entspannt mit dem Metronom RE4 von Hamburg Hauptbahnhof vonstatten. Einen Powernap später war ich auch schon in Bremen. Ich wurde von einem gelben Leuchten am Himmel begrüßt. Auch hatte der Himmel teilweise eine ungesunde, bläuliche Färbung.

Nun ging es mit der Straßenbahn zur Haltestelle Am Brill. Nach ein paar Minuten an der Weser war ich an meinem Startpunkt, dem Museumsgarten Bremen, auch Fockegarten genannt. Inzwischen war der Himmel auch wieder mehr in Hamburger Grau gehüllt.

Route durch die Wallanlagen

Ich habe meinen Spaziergang für euch mit Komoot getrackt. Mit der Route verpasst ihr keines der hier gezeigten Highlights.

Komoot Route im neuen Tab öffnen

Der Museumsgarten Bremen

Seien wir ehrlich, der Garten hatte keine faire Chance zu überzeugen. Es ist Mitte Januar und alles ist braun und matschig. So gab es eigentlich nur die Sonnenuhr als Highlight. Im Sommer ist das hier sicherlich eine ganz andere Nummer.

Wallanlagen in Bremen

Die Wallanlagen sind sehr lang gezogen und spannen mit dem Wallgraben einen Bogen um Bremens Altstadt und Shoppingviertel. Hier stelle ich euch die einzelnen Abschnitte vor. Die Benennung folgt dabei aber keinen offiziellen Namen.

Abschnitt 1: Buddha-Meditationswiese

Dieser Abschnitt ist nur ein kleiner Hügel mit Sitzmöglichkeiten und Wiese. Klein, aber im Vergleich zu Bremens Beitrag zu den 16 Summits eher Typ Zugspitze. Durch die Nähe zur Hauptstraße ist der Teil der Wallanlagen eher ungemütlich. Bei Google ist das als Meditationswiese eingetragen. Fühle ich überhaupt nicht bei dem Straßenlärm. Also ging es weiter in den nächsten Teil der Wallanlagen.

Abschnitt 2: Pumper-Teddy und Tauben-Gang

Hier gibt es schon etwas mehr zu entdecken. Wieder gibt es einen Hügel mit Sitzmöglichkeiten. Daneben steht eine Steinsäule mit einem Teddybären auf Steroide. Quasi der kleine Bruder vom Cocaine Bear. Nicht schön, aber das liegt ja bekanntlich immer im Auge des Betrachters. Es ging am Wallgraben entlang bis zum nächsten Hügel mit Parkbänken. Ich erkenne hier ein Muster. Ein paar Minuten später habe ich dann einen ganz verrückten Baum gefunden. Auf den letzten Metern in diesem Bereich habe ich dann noch einen Tauben-Gang getroffen. Scheinbar machen die hier ein Päuschen von der Futtersuche am Hauptbahnhof. Es folgte der nächste Abschnitt.

Abschnitt 3: Beck’s Mühle und Loriotplatz

Dieser Teil der Wallanlagen in Bremen gefällt mir am besten. Er beginnt an einem kleinen Infocenter und führt dann zur Beck’s Windmühle. Am Zugang zur Windmühle steht noch eine Rotwild-Skulptur. Am Ende dieses Bereichs befindet sich ein Kaisen Denkmal. Nun ging ich kurz über die Brücke zum Loriotplatz, bevor es mit einem Moin weitergeht.

Abschnitt 4: Moin und Theatergarten

In diesem Teil der Wallanlagen wird man erst einmal mit einem freundlichen #MOIN begrüßt. Daneben steht eine Skulptur von einem Obdachlosen mit Einkaufswagen. Die wurde einfach irgendwann mal da aufgestellt von einem Unbekannten Künstler und ist seit dem regelmäßig Ziel von Vandalismus. Im Sommer 2023 wurde diese z. B. angezündet. Ganz ehrlich, was stimmt denn nicht mit diesen Menschen?

Ich ging weiter und kam an der Steinhäuser Vase vorbei. Die im Jahr 1856 von Bildhauer Carl Steinhäuser geschaffene monumentale Vase befindet sich in den Bremer Wallanlagen und genießt seit 1973 Denkmalschutz. Kurz darauf kam ich mal wieder an Kunst vorbei, die mich mit vielen Fragezeichen zurücklässt. Die Skulptur „Das Ende“ (Bester Name!) sieht für mich aus, als wäre Flash mit maximaler Geschwindigkeit gegen eine zu harte Wand gelaufen und daran zerschellt. Aber was verstehe ich schon von Kunst?

Ich ging dann zum Theatergarten, welcher durch Treppen und Sitzbänke glänzt. Hier wird wohl öfter mal Freilufttheater gespielt. Bei meinem Spaziergang gab es hier nur eine Skulptur zu entdecken. Ich bewegte mich nun weiter Richtung letzten Bereich der Wallanlagen. Dabei habe ich noch ein Biermal entdeckt. Muss auch eines der vielen Kunstwerke hier sein.

Auf den letzten Metern befindet sich noch eine Gedenkstätte. Diese stelle ich euch in nachfolgenden Blogeintrag vor.

Lidice-Mahnmal in Wallanlage

Dieses Denkmal erinnert an das zer­stör­ten tsche­chi­sche Dorf Li­di­ce. In diesem Blogeintrag erfahrt ihr mehr über die Hintergründe.

Gedenkort für Laye Condé

An diesem Ort wird an Laye Condé erinnert, der in Bremen durch die Folgen von Folter ums Leben kam. Er wurde unter polizeilicher Aufsicht mit Brechmitteln vollgepumpt, unter dem Deckmantel der Beweissicherung. Laye Condé starb an den Folgen dieser Folter.

Kurzer Ortswechsel. In Hamburg hat King Olaf Scholz den Tod von Achidi John zu verantworten. Dass er dennoch Bundeskanzler wurde, ist für mich inakzeptabel. Auch Achidi John ist durch diese Art der Folter zu Tode gekommen. Unglaublich, was Politiker alles so genehmigen können. Dabei verstößt das ganz klar gegen Artikel 4 des Grundrechts der Europäischen Union, dem Verbot der Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung.

Wer mehr Interesse an dem Thema hat, sollte sich einmal diesen TAZ-Artikel anschauen: Hamburger Folteropfer Achidi John – Verdrängt und vergessen

Abschnitt 5: Ehrenmal Altmannshöhe

Als Erstes habe ich ein besonders sicheres Exemplar von Feuerleiter an der Kunsthalle Bremen entdeckt. Sicher ist sicher. Hier ist auch das Ende des Wallgraben. Nun geht es wieder auf einen Hügel, was keine große Überraschung mehr sein dürfte. An diesem Ort befindet sich das Ehrenmal Altmannshöhe. Hier wird den Gefallenen des Ersten Weltkriegs gedacht. Die Inschrift auf dem Quader lautet:

10.000 Männer und Jünglinge zogen aus dieser Stadt in Krieg und Tod

Ehrenmal Altmannshöhe

An der Innenseite der Mauer sind alle Namen eingearbeitet. Zusätzlich steht noch ein Gedicht oben über den Namenstafeln an der Mauer. Das Gedicht lautet:

Wir Toten sind größere Heere + als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere + Wir pflügten das Feld mit geduldigen Taten + Ihr schwinget die Sicheln und schneidet die Saaten + Und was vollendet und was wir begonnen + Das füllt noch dort oben die rauschenden Bronnen + Und all unser Lieben und Hassen und Hadern + Das klopft noch dort oben in sterblichen Adern + Und was wir an gültigen Sätzen gefunden + Dran bleibt aller irdischen Wandel gebunden + Und unsere Töne, Gebilde, Gedichte + Erkämpfen den Lorbeer im strahlenden Lichte + Wir suchen noch immer die menschlichen Ziele + Drum ehret und opfert. Denn unsere sind viele + und unsere Töne, gebildete Gedichte +

Ehrenmal Altmannshöhe

Ich bleibe dabei, ich werde kein großer Fan mehr von Kriegerdenkmälern. Dazu habe ich aber schon mal was geschrieben. Bei der Sitzbank auf dem Hügel kann man gut eine Pause einlegen und einen guten Blick über die Weser genießen. Hier seht ihr den Wasserturm auf dem Werder, dieser wird auch umgedrehte Kommode genannt.

Ein paar Minuten an der Weser

Nun ging es von den Wallanlagen in Bremen an der Weser zum Arisierungs-Mahnmal und im Anschluss noch zum Juden Denkmal weiter. Hier ein paar Bilder zu diesem Teil meines Spaziergangs.

Zu den beiden Gedenkstätten habe ich bereits separat berichtet. Ihr könnt euch die Blogeinträge hier anschauen.

Arisierungs-Mahnmal

Ich schreibe hier für euch nieder, was es mit dem Arisierungs-Mahnmal an der Weser auf Sicht hat.

Mahnmal für die Opfer der Reichskristallnacht

An diesem Ort wird den Opfern der Reichskristallnacht gedacht. Hier erzähle ich euch mehr zu diesem Mahnmal.

Rückfahrt nach Hamburg

Von der Haltestelle Domsheide ging es mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof und dann direkt mit dem Metronom RB41 nach Hamburg. Krass fand ich, dass viele Wiesen, Wälder und Felder an der Bahnstrecke weiterhin komplett oder zumindest teilweise überflutet waren.

Ich bin das letzte Mal vor über 2 Wochen diese Strecke gefahren. Trotz des Zeitraums hat sich an diversen Stellen nicht viel getan bei den Überschwemmungen. Habe ich so jetzt nicht erwartet. Die Fahrt verlief ansonsten unaufgeregt und brachte mich pünktlich nach Hause, trotz des gewählten Milchkannen-Express.

Fazit zu meinem Spaziergang

Ich habe insgesamt etwa 3 Stunden in den Wallanlagen von Bremen und angrenzenden Gebieten verbracht. Mir hat der Spaziergang Spaß gemacht und besonders ab dem 3. Abschnitt gibt es mehr als nur einsames Spazieren zu entdecken.

Wer Bremen besucht, sollte sich also unbedingt auch die Wallanlagen genauer anschauen. Weitere Entdeckungstouren in Bremen findet ihr bereits in meinem Blog. Es werden sicher noch weitere folgen.

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