Erinnern für die Zukunft und Männerskulptur Bremen

Lidice-Mahnmal in den Bremer Wallanlagen

Ich war in den Bremer Wallanlagen unterwegs und habe mir da das Lidice-Mahnmal angeschaut. Hier erzähle ich euch etwas zu dessen Hintergrund.

Die Auslöschung von Lidice

Lidice, eine kleine tschechoslowakische Gemeinde, geriet am 10. Juni 1942 in den Fokus der Nazis als Vergeltungsmaßnahme für das Attentat auf Reinhard Heydrich, einen hochrangigen SS-Offizier und Reichsprotektor von Böhmen und Mähren.

Am 10. Juni 1942 durchsuchten deutsche Polizeibataillone das Dorf Lidice. Männer wurden überwiegend direkt erschossen, Frauen und Kinder wurden deportiert. Lidice wurde dem Erdboden gleichgemacht, Häuser wurden niedergebrannt und der Name Lidice wurde von der Landkarten gestrichen. Das Ausmaß der Zerstörung und das Leid der Bevölkerung waren entsetzlich. Die Vergeltungsmaßnahme startete aufgrund der Annahmen, dass die Bewohner von Lidice den Heydrich-Attentätern Unterschlupf gewährt haben. Dieses erwies sich im Nachhinein als falsche Annahme.

Über 300 Männer wurden in Massengräbern erschossen, während die Frauen nach Ravensbrück und Auschwitz deportiert wurden. Die Nazis teilten die Kinder auf verschiedene Lager auf und ermordeten diese dann. Einige „eindeutschungsfähige“ Kinder wurden in nationalsozialistische Familien gebracht und adoptiert. Der Angriff auf Lidice ist zu einem Symbol für die Brutalität und Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Regimes geworden.

Reaktion und Wiederaufbau

Die internationale Gemeinschaft reagierte mit Entsetzen auf das Lidice-Massaker. Ein paar Städte oder Stadtteile auf dieser Welt (z. B. in den USA, Panama, Brasilien, Mexiko, Venezuela, Peru, Kuba, Israel) haben sich in Lidice umbenannt und somit Solidarität bekundet. Auch heute heißen diese Orte noch so.

Das ursprüngliche Dorf wurde nach dem Krieg nicht an gleicher Stelle wieder aufgebaut. Stattdessen hat man an diesem Ort eine Gedenkstätte und ein Museum eingerichtet. Lidice wurde etwa 300 Meter entfernt neu aufgebaut.

Das Lidice Mahnmal in Bremen

Die Vernichtung von Lidice steht als mahnendes Beispiel für die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und die Notwendigkeit, die Erinnerung an solche Ereignisse zu bewahren, um auch künftige Generationen vor Hass, Diskriminierung und Gewalt zu warnen.

Seit den 80er-Jahren pflegt Bremen intensive Beziehungen zu Lidice, die unter anderem zur Umbenennung der Jugendbildungsstätte St. Magnus in LidiceHaus führten. Im Jahr 1989 schuf der Bremer Künstler Jürgen Waller das Lidice Mahnmal. Dieses besteht aus verkohlten Mauer- und Holzresten, die sich neben der Bronze-Figur „Jüngling“ vom Künstler Herbert Kubica befinden.

Ursprünglich sollte diese Jüngling-Figur von den Nazis den Gefallenen des Freikorps Caspari und der Division Gerstenberg gewidmet werden. Die Skulptur wurde 1936 in Bremen an der Liebfrauenkirche aufgestellt. Nach einer Einlagerung während des Zweiten Weltkriegs in der Kunsthalle wurde er 1951 in den Wall-Anlagen aufgestellt, allerdings ohne Sockel und Siegerkranz.

Jürgen Waller zeigt mit seiner Installation den Weg von der Zerstörung durch die Freikorps bis zur Vernichtung von Lidice durch die Nazis. Der Freikorps Caspari wurde im Januar 1934 in die SA-Reserve II übernommen. Bereits zuvor hatte Walter Caspari bedeutende Funktionen in der Bremer Polizei inne. Als Kommandeur trug er maßgeblich zur Ausbildung der Bremer Polizeibataillone bei, die später eine unrühmliche Rolle bei den Deportationen und der Ermordung zahlreicher europäischer Juden spielten.

Weitere Orte des Gedenkens zeige ich euch unter KonBon erinnert. Auch habe ich weitere Orte in Bremen besucht und darüber geschrieben.

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