Polizei beim G20-Gipfel in Hamburg

Meine Erfahrungen beim G20-Gipfel in Hamburg

Hier möchte ich euch von meinen Erfahrungen bei den Demonstrationen gegen den G20-Gipfel in Hamburg erzählen.

Welcome to Hell G20-Demo

Mein Tag bei der Welcome to Hell Demo begann um 15:30 Uhr am Bahnhof Landungsbrücken. Hier konnte man bereits zu dieser Zeit erahnen, wie der Demoverlauf an diesem Tag sein wird.

Ich ging entspannt Richtung Fischmarkt. Von den Landungsbrücken bis zum Fischmarkt waren bereits unzählige Wannen, Räumpanzer und Wasserwerfer positioniert. Aber alles war friedlich und es war mehr eine Straßenfeststimmung als die Vorstufe zum Straßenkrieg zu spüren.

Auf dem Fischmarkt angekommen, gab es dann gute Musik bei guter Stimmung. Es waren viele nette Menschen dort, welche nicht nur dem schwarzen Block zuzuordnen waren. Die Stimmung war friedlich und ausgelassen.

Kurz vor 19 Uhr stellten sich die Welcome to Hell Demonstranten auf der Straße auf. Wie auf jeder Demo waren auch vermummte Personen dabei.

Vermummung auf Demos

Ich kann jeden verstehen, der sich vermummt. Wenn du auf einem Foto der Polizei neben einem Steinewerfer identizifiert wirst, kann es passieren, dass die Polizei auch bei dir anklopft, auch wenn du diese Person vielleicht gar nicht kennst. Niemand hat Bock auf den dann folgenden Stress.

Aber auch Nazis fotografieren auf solchen Veranstaltung gerne ihre Feinde. Wer will schon freiwillig zur Zielscheibe in Nazinetzwerken werden? Das Nazis an dem Tag Fotos gemacht haben, ist übrigens mehrfach gesehen worden.

Oder nimmst du dein Recht auf Meinungsäußerung friedlich wahr, landest aber auf einem Foto in der Zeitung. Mit Pech findet dein Arbeitgeber das nicht so geil, weil er vielleicht eine politisch ganz andere Meinung hat? Was dann passieren kann, kannst du dir sicher selber vorstellen.

Sonnenbrille und Mundschutz schützen übrigens auch vor Pfeffercops und die Regenjacke hilft ein wenig gegen die Blitzbefeuchtung aus dem Wasserwerfer. Somit ist dieses Outfit durchaus auch von der praktischen Seite unverzichtbar!

Das sind nur 4 Beispiele warum sich viele Menschen auf Demonstrationen vermummen. Vermummung automatisch mit Gewaltbereitschaft und Idioten gleichzusetzen zeugt von einem sehr kleinen geistigen Horizont oder fehlender eigener Demoerfahrung!

Aber klar vermummen sich dabei auch Krawalltouristen und Straftäter die für nichts als stumpfe Zerstörung stehen. Die Leute feiere ich auch nicht, aber das ändert nichts an meinem Verständnis für die friedlichen Menschen, die nur ihre Identität schützen wollen.

Die Polizei greift die Meinungsfreiheit an!

Fakt ist, die Polizei hat die Vermummung zum Anlass genommen die Demo gar nicht erst losgehen zu lassen und einen Angriff auf die Demonstration durchzuführen. Wie schon im Dezember 2013 vor der Roten Flora wurden die Wasserwerfer und Räumpanzer von Anfang an, bevor die Demo überhaupt losging, in unser Richtung fahrend aufgestellt.

Wie der Anwältliche Notdienst (kurz AND) vorangekündigt hatte, spielte die Polizei hier mit falschen Karten. Auch verschiedene Reporter vom NDR und sogar der Bild haben die Situation so bewertet.

Vorhersage des AND:

EDIT 11.08.2020: Hier war ein Facebookbeitrag verlinkt, die der AND entfernt hat. In dem Beitrag hatte der AND das Verhalten der Polizei vorhergesagt.

Einschätzung vom NDR:

Mehrere (!) @ndr Reporter berichten übereinstimmend: Gewalt und Eskalation ging NICHT von der Demonstration aus. #nog20 #w2h #welcometohell pic.twitter.com/xiY0uk03Iw

Twitter: Kiezladen Friedel54 (@kiezladen_f54) 6. Juli 2017

Video zur Eskalationsstrategie der Polizei:

Video zur G20 Hamburg Eskalation
Video zur G20 Hamburg Eskalation – Video öffnet sich in einem neuen Fenster!

Schlimm fand ich, wie flüchtene Menschen, die teils in Panik waren, von der Polizei gepfeffert wurden. Eigentlich wurde alles und jeder gepfeffert. Egal ob hier überhaupt ein Vergehen dieser Person vorlag. Selbst oben im Park Fiction, wo ich hingeflüchtet bin, wurden die Atemwege noch durch die Pfefferdunstwolke massiv angegriffen.

Auch wurden Leute oben auf dem oberen Gehweg von der Polizei einfach über dem Haufen gerannt. Auch hier wurden klar die Grenzen sinnvollen Handelns überschritten. Die Polizei nimmt ganz klar schwere Verletzungen Unschuldiger in Kauf.

Das ist nicht hinzunehmen und hat sicher nicht zur Deeskalation der Situation beigetragen. Das es bisher keine Toten gab ist nur purer Zufall!

Sachbeschädigung ungleich Gewalt!

Mir ist durchaus bewusst, dass es so oder so später geknallt hätte. Aber dann wären nicht so viele unschuldige Menschen involviert worden. Solche Aktionen der Polizei führt nur zur weiteren Radikalisierung von Menschen, die dann ihre Wut über diese Situation teils leider falsch kanalisieren.

Zerstörung ist Sachbeschädigung, aber keine Gewalt. Die Definition von Gewalt ist laut Jurawiki:

Danach war Gewalt dadurch gekennzeichnet, dass der Täter durch körperliche Kraftentfaltung einen Zwang ausübt, indem er auf den Körper eines anderen einwirkt, um geleisteten oder erwarteten Widerstand zu überwinden

Quelle: https://www.jurawiki.de/DefinitionGewalt

Leider unterscheiden die meisten Menschen hier nicht. Klar sind viele dieser Menschen voller Hass auf das System und durchaus auch gewaltbereit. Aber von Übergriffen auf zivile Menschen hört man eigentlich so gut wie nichts in diesen Tagen. Gewalt richtet sich im Zweifel gegen die Polizei, welche mit ihrer Strategie dieses aber auch immer wieder provoziert hat.

Das die Krawallmacher oft einfach nur nette Menschen sind, zeigt dieses Video. Wobei ich auch jede Angst nachvollziehen kann, wenn so eine Gruppe auf einen zukommt. Aber eigentlich wollen die euch gar nicht verletzen.

[VIDEO WURDE BEI INSTAGRAM GELÖSCHT]

Nur um nochmal Missverständnissen vorzubeugen, ich finde die Sachbeschädigungen nicht gut, mir wäre lieber wenn die Menschen ihre Wut sinnvoller kanalisieren (bzw. die Krawalltouristen einfach zu Hause bleiben), aber ich kann die Menschen bis zu einem gewissen Grad halt auch verstehen.

Wenn der Staat deine Grundrechte mit Füßen tritt und die Meinungsfreiheit teilweise nur noch so halbwegs existiert, dann verstehe ich diese Wut, diese Ohnmacht, diese Aggressionen. Ich fühle diese auch, aber ich gehe damit halt anders um!

Einen passenden Satz für die aktuelle Situation habe ich heute morgen gehört, ist nicht neu, passt aber:

Krawalle liefern bessere Bilder als friedlicher Protest!

Und so hat die Polizei auch agiert. Es wurde schon vor der „Welcome to Hell“-Demo versucht zu provozieren wo es nur geht. Irgendwann platzt halt die Bombe und die Polizei hat es mal wieder geschafft den Medien die gewünschten Bilder zu liefern. Glückwunsch für diese Scheiße!

Der Startpunkt war unglücklich

Zu guter letzt noch mal meine Frage an die Veranstalter… Warum dieser enge kesselartige Startpunkt für die Welcome to Hell Demo? Ich war oben auf dem Fußweg, da die Straßenschlucht ja echt zur Todesfalle werden kann, wenn die Polizei eine Panik auslöst! Das kann man auch gut sehen auf dem Video oben. Ich hoffe, der von der Polizei schwer verletzte Demonstrant wird wieder vollständig gesund!

Alle auf die Straße!

Vielleicht sollten alle mal einen Gang runterschalten und sich auf das wesentliche konzentrieren… die Messehallen! Ich wünsche mir morgen eine bunte, große und friedliche Demo. Ich hoffe die Polizei schafft es nicht, durch ihre Panikverbreitung, die Menschen von ihrem Grundrecht abzuhalten!

Kommt zur „Grenzenlose Solidarität statt G20“-Demo!

Grenzenlose Solidarität statt G20 – Es geht auch anders!

Am Samstag ging es auf die „Grenzenlose Solidarität statt G20“ Demo. Insgesamt waren noch zwischen 50.000 und 75.000 Menschen auf dieser Demo. Wie haben uns natürlich dem St. Pauli Block angeschlossen, der sich kurz vor Beginn der Demo aufgestellt hat.

Gespannt, ob die Polizei bei dieser Demo mal nicht das Grundrechte auf Versammlungsfreiheit umgeht, gingen wir kurz nach 13 Uhr los.

Friedliche Stimmung

Die „Grenzenlose Solidarität statt G20“ Demo verlief friedlich und entspannt. Es war anfangs wenig Polizei zu sehen. Erst im späteren Verlauf der Demo formierte sich die Polizei am Rand des Demozuges und marschierte mit uns mit.

Es gingen keine Aggression von beiden Seiten aus. So wie es bei der Welcome to Hell Demo am Donnerstag auch begonnen hat. So wanderten wir gemütlich Richtung Reeperbahn. Hier sind wir dann kurz zum Millerntor um uns was zu Essen und zu trinken zu holen. Auch am Heiligengeistfeld war eine Fressmeile zu finden. Aber aus Verbundenheit zu unserem Verein gings halt zur Gegengrade und dann kurz in die Feldarena.

Während wir Pause machten, gab es ein paar Meldungen, das die Polizei auch diesen Demozug nicht ungestört hat zuende gehen lassen. Es wurden wohl mehrere Menschen wegen Vermummung aus dem friedlichen Block gezogen.

Was will man mit so einem Schwachsinn erreichen? Hat die Einsatzleitung wieder mal gehofft, dass es eskaliert? Tat es aber zum Glück nicht!

Kesselt ihr uns, kesseln wir euch!

Wir gingen nun wieder Richtung Millerntorplatz. Dort gab es einen Hamburger Kessel einer Gruppe.

Warum dieser Kessel da war, wusste niemand so genau. Die Stimmung war dennoch nicht am hochkochen und nach kurzer Zeit zog die Polizei wieder ab. Schwachsinnige Aktion, welche aber glücklicherweise ohne Eskalation verlief.

Dann wurde es skurril. Plötzlich war auf der Grünfläche zu den Landungsbrücken eine Einheit Polizisten im Kessel von Demonstranten. Die Stimmung auf Demonstranten-Seite war ausgelassen. Die Polizisten waren verständlich ein wenig nervös. Nach einer Weile ohne jeden Angriff gab es dann das obligatorische „Haut ab…“ und die Polizisten zogen sich zurück.

Blockiert ihr uns, blockieren wir euch!

Die Helgoländer Allee stand ein Wasserwerfer und davor eine Reihe der Polizei. Diese hat die Menschen nicht die Straße runter zu den Landungsbrücken gehen lassen. Man konnte aber problemlos 5 Meter weiter links über die Grünflächen des Alten Elbparks auf diese Straße gehen.

Man kam direkt hinter die Polizeikette raus und konnte z. B. Selfis mit dem Wasserwerfer machen. Was diese Aktion sollte, haben wahrscheinlich nicht mal die ausführenden Polizisten verstanden.

Die Stimmung war heiter, die Polizeikette wohl ein wenig angespannt.

Lass uns ein Spiel spielen

Nun fingen die Menschen an sich auf der Straße vor der Polizeikette zu sammeln um sich es bequem zu machen. Einige malten mit Straßenkreide Sprüche auf die Straße und dann folgte der eigentlich tollste Moment der letzten Tage, die noch Hoffnung machen, das unter manchen Helmen noch ein Mensch steckt.

Ein Demonstrant malte ein 3-Gewinnt-Feld auf die Straße direkt vor die Polizeikette. Er zeichnete ein Peace-Zeichen in sein erstes Feld und forderte einen Polizisten heraus. Dieser lehnte ab und die Kreide wurde auf das Spielfeld gelegt. Ein paar Momente später dann das völlig unerwartete. Ein Polizist aus der Kette schnappte sich die Kreide und nahm die Herausforderung an.

Die Menschen applaudierten! In diesem Moment entspannte sich die ganze Situation merklich. Einfach 2 Menschen, welche miteinander ein Spiel gespielt haben. Das Spiel ging übrigens unentschieden aus. Ein paar Minuten waren die klassischen Feindbilder außer Kraft gesetzt.

Die Polizisten nahmen nun nach über 30 Minuten die Helme und Sturmhauben ab. Nach dem 3-Gewinnt-Spiel gingen wir wieder ans Millerntor. Nun hörten wir leider, dass es genau dort, wo eben noch Frieden war, doch wieder ein wenig eskalierte. Wieso weiß ich nicht. Noch mal kurz was getrunken, eine Pause eingelegt und dann ging es nach Hause. Auf die Krawalle, die später folgten, hatten wir nämlich keine Lust.

Kommentare

Eine Antwort zu „Meine Erfahrungen beim G20-Gipfel in Hamburg“

  1. Tisa Egal

    Sehr gut geschrieben und spiegelt meine Meinung im Großen und Ganzen wieder.

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