Theater an Hamburger Grundschulen

Ab August nächsten Jahres soll der Unterricht ” Darstellendes Spiel” verpflichtend an allen Hamburger Grundschulen eingeführt werden. Was mir als Theaterverrückte natürlich äußerst gut gefällt. Theaterspielen ist mehr als auf der Bühne stehen und seinen Text aufsagen. Theaterarbeit ist Spaß, Freude, Lebendigkeit, Kommunikation, Bewegung und Integration. Schüler lernen frei zu sprechen, sich zu präsentieren, sich und andere besser wahrzunehmen. Sie erfahren im Spiel Grenzen. Eigene und die Anderer. Lernen Regeln ein zu halten. Theater spielen verstärkt soziale Kompetenzen. Weiterhin ist beim Theaterspielen der gesamte Körper im Einsatz. Ich könnte noch stundenlang weiter schreiben und die Vorzüge des Theaterspielens aufzählen. Um so größer dann das Entsetzen, als ich vor kurzen hierzu einen Zeit-Artikel lass. Da wird die stellvertretende Vorsitzende des Gymnasiallehrerverbandes, Margarete Eisele-Becker mit den Worten zitiert:

“Schauspielen sei zwar wichtig zur Persönlichkeitsentwicklung, aber keine Kompetenz, die Schüler in der Klasse 5 und 6 dringend benötigen”

Mir fiel die Kinnlade runter!!! Persönlichkeitsentwicklung ist keine Kompetenz die Schüler benötigen??? In Zeiten in denen wir von der immer größer werdenden Verrohung der Gesellschaft sprechen. Jeden Tag den ich mit Schülern Potentialanalysen mache, erlebe ich, dass wichtige soziale Kompetenzen fehlen. Schüler sind nicht mehr in der Lage zuzuhören, sie können sich nicht länger als eine  halbe Stunde konzentrieren und sind nicht in der Lage sich auf einer “normalen” menschlichen Ebene zu unterhalten. Mobbing, Tritte, Rempeleien sind an der Tagesordnung. Keins dieser Kinder weiß, wo sein Platz im Leben und in unserer Gesellschaft ist. Und da möchte mir jemand tatsächlich erzählen Persönlichkeitsentwicklung sei keine Kompetenz die dringend benötigt wird?

Oder steckt etwas anderes dahinter? Die eigene Unsicherheit der Lehrer? Die Angst überfordert zu sein? Theater zu unterrichten heißt nämlich, dass man sich nicht mehr hinter seinem Wissen verstecken kann. Man muss jedes Mal auch ein Stück von sich selber preis geben. Sich öffnen, die Schüler dazu bringen sich zu öffnen und sie ernst nehmen! Das ist nicht einfach. Führt aber auch zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Damit muss man ja nicht nach der 4. Klasse aufgehört haben. Darf man ruhig sein Leben lang dran arbeiten!

In diesem Sinne… ab auf die Bretter die die Welt bedeuten! Viel Spaß!

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