Ich war in Bad Oldesloe unterwegs und habe Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus besucht. Hier erzähle ich euch etwas über diese Orte der Erinnerung. Die Tour startet am Bahnhof von Bad Oldesloe und endet auch dort.
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Denkmal für die Opfer des Todesmarsches in den Norden
Gegenüber vom Haupteingang des Bahnhofs findet ihr auf dem Bahnhofsvorplatz das Denkmal für die Opfer der Todesmärsche und Deportationen nach Riga. Es handelt sich um eine Stele mit acht abgebildeten Silhouetten und einer Informationstafel, welche am 3. Mai 2020 aufgestellt wurde. Die Initiatoren der Gedenkstätte kamen aus einer Jugendgruppe aus dem nahegelegenen Inihaus. Ein Mitglied dieser Jugendgruppe hat auch die Silhouetten entworfen.
Die Todesmärsche im Mai 1945 Richtung Lübeck und Flensburg
In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs, im April und Mai 1945, kam es in Bad Oldesloe und dem Kreis Stormarn zu Todesmärschen. Die Nazis wollten angesichts der heranrückenden alliierten Soldaten die Spuren der menschenverachtenden Verbrechen verwischen und dabei möglichst viele Häftlinge vernichten. Aus dem KZ Neuengamme und seinen Außenlagern wurden Tausende Menschen unter grausamsten Bedingungen auf diese Märsche getrieben.
Ein solcher Marsch führte von Ahrensburg über Bargteheide nach Bad Oldesloe. Ein Transport mit der Bahn war nicht mehr möglich, da die Bahnstrecke nach Lübeck durch Bombenangriffe zerstört worden war. Etwa 350 ausgemergelte Gefangene zogen, bewacht von SS-Soldaten, durch Ahrensburg. Der Todesmarsch wurde durch eine Lagerkapelle musikalisch begleitet, als wäre das ganze ein fröhlicher Wanderausflug. In Bargteheide wurden die Menschen in einer Scheune mitten im Ort eingeschlossen und verbrachten dort den Tag. Am Abend ging der Todesmarsch weiter auf der heutigen B 75 Richtung Bad Oldesloe.
Dort angekommen mussten die Gefangenen auf dem zerstörten Bahnhofsgelände auf den Bahnsteigen im Stehen die Nacht verbringen, bewacht von SS-Männern mit Hunden, die sie am Schlafen hinderten. Am Morgen des 3. Mai 1945 wurden die Gefangenen weiter in Richtung Reinfeld, Bad Segeberg und schließlich Flensburg getrieben. Auf diesem Weg gelang einigen Häftlingen die Flucht, während sich einige der SS-Soldaten in zivile Kleidung umzogen und verschwanden, um den Alliierten zu entgehen.
Obwohl diese Märsche durch bewohnte Orte führten, wurden sie nach dem Krieg lange Zeit in der lokalen Öffentlichkeit kaum beachtet. In den Chroniken vieler Städte und Dörfer tauchten sie nicht auf. Das ist ein Kapitel, das vielfach verdrängt oder totgeschwiegen wurde. Doch die grausamen Ereignisse können der Bevölkerung nicht verborgen geblieben sein.
Gehzeit etwa 15 Minuten
Stolperstein Robert Kersten
Der Stolperstein liegt am Kirchberg 4 in Bad Oldesloe nahe der Peter-Paul-Kirche. Robert Kersten war Eisenbahnarbeiter und in der KPD und später in der SPD in Stralsund tätig. 1934 zog es Kersten nach Bad Oldesloe, wo er aber nicht politisch aktiv war. Im Krieg wurde er verletzt und war nicht mehr kriegstauglich. So arbeitete er dann als Stadtbote in Bad Oldesloe.
Aufgrund seiner politischen Vergangenheit wurde er als „politisch unzuverlässig“ eingestuft, weshalb die Gestapo ihn während der „Aktion Gitter“ verhaftete und er nach kurzen Haftaufenthalten in Lübeck und Kiel schlussendlich in das KZ Neuengamme deportiert wurde. Dort wurde er dann am 27. Februar 1945 ermordet. Seiner Frau wurde berichtet, dass er an einer Magen-Darm-Erkrankung verstorben sei.
Was war die „Aktion Gitter“?
Die Aktion Gitter (auch Aktion Gewitter oder Aktion Himmler genannt) war eine große Verhaftungsaktion im August 1944. Kurz zuvor hatte es das gescheiterte Attentat vom 20. Juli 1944, auch bekannt als Operation Walküre, auf Hitler gegeben. Aus Sorge vor weiteren Anschlägen ließ die Gestapo viele Menschen festnehmen, welche sie für vermeintliche Gegner des Regimes hielt. Dazu gehörten frühere Politiker, Gewerkschafter und andere Personen, wenngleich diese längst nicht mehr aktiv waren. Viele dieser Menschen wurden in Konzentrationslager gebracht und wie Robert Kersten ebenfalls ermordet.
Gehzeit etwa 5 Minuten
Stolperstein Hans Wöltje
Der Stolperstein für Hans Wöltje liegt in der Hindenburgstraße 49 in Bad Oldesloe. Hans Wöltje war Zeuge Jehovas und wurde aufgrund seiner Religion im November 1937 verhaftet und in das KZ Dachau deportiert.
Offizielle Dokumente dokumentieren dort seinen Tod am 2. Juni 1942. Diese Dokumente sollten wohl nur vertuschen, dass Wöltje bereits als arbeitsunfähiger Häftling am 3. März 1942 in einer Gaskammer der Tötungsanstalt Hartheim umgebracht wurde. Über 12.000 weiter arbeitsunfähige Menschen erfuhren in dieser Anstalt das gleiche Schicksal im Rahmen der NS-Aktion 14f13.
Was war die Aktion 14f13?
In der Tötungsanstalt Hartheim wurden bis August 1941 im Rahmen der T4-Aktion auch über 18.000 weitere Menschen ermordet. Nach der offiziellen Einstellung des NS-Euthanasieprogramms T4 folgte die Aktion 14f13.
Die Aktion 14f13 war eine Ermordungsaktion der Nationalsozialisten ab dem Jahr 1941. Unter dieser Tarnbezeichnung wurden kranke, arbeitsunfähige oder als asozial eingestufte KZ-Häftlinge aus den Lagern ausgewählt und in Tötungsanstalten wie Hartheim oder Bernburg in Gaskammern systematisch ermordet. Die Aktion war eine Fortsetzung der Euthanasie-Verbrechen und zeigt, wie eng die NS-Konzentrationslager und die Euthanasie-Morde miteinander verknüpft waren.
Sie verdeutlicht auch, wie die nationalsozialistische Mordmaschinerie ursprünglich gegen Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen begann und später auf immer weitere Opfergruppen ausgedehnt wurde.
Gehzeit etwa 8 Minuten
Gedenktafel am Blauen Haus
Das Blaue Haus in Bad Oldesloe, ursprünglich eine Lager- und Handelshalle aus der Hansezeit, erhielt nach 1933 eine düstere Bedeutung. Das Gebäude wurde zum Polizeigefängnis umfunktioniert, in dem vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter inhaftiert und misshandelt wurden. Am 7. September 1933 wurde hier der Arbeiter und KPD-Widerstandskämpfer Richard Minkwitz erschlagen. Damit wurde das Blaue Haus zu einem Symbol der NS-Repression in der Stadt.
Heute dient es als Geschäftshaus und Restaurant, doch seine Vergangenheit bleibt präsent. 1987 brachte die Stadt eine von dem Kunstlehrer Caesar Bauer gestaltete Gedenktafel an, die an die Opfer erinnert und ein deutliches Zeichen gegen Krieg und Faschismus setzt. Diese Gedenktafel ist bis heute ein zentraler Ort für Gedenkveranstaltungen in Bad Oldesloe.
Gehzeit etwa 5 Minuten
Grab eines unbekannten Russen
Am 24. April 1945 kam es zu schweren Bombenangriffen auf Bad Oldesloe. An diesem Tag ist dieser unbekannte Russe, er wird mit Sicherheit ein Kriegsgefangener gewesen sein, ums Leben gekommen. Wie für viele andere Einwohner von Bad Oldesloe gab es auch für diesen Menschen keinen Platz in Luftschutzbunkern.
Das Grabmal findet ihr auf dem Ehrenfriedhof in Bad Oldesloe in der Nähe des alten Torhauses.
Ich habe leider nicht viel zu der Geschichte dieses Grabes gefunden. Wenn ihr also mehr wisst, schreibt es mir gerne in die Kommentare.
Fazit zum Spaziergang in Bad Oldesloe
Dieser kleine Gedenkmarsch erzählt euch die Geschichte vieler Opfer des Nationalsozialismus. Ihr könnt den Spaziergang noch mit einem Aufenthalt an der Trave oder in einem Café oder Restaurant abrunden. Das Café Mocca bei der Gedenktafel am Blauen Haus bietet sich meines Erachtens dafür gut an.
Habt ihr schon mal einen dieser Orte der Erinnerung besucht? Erzählt mir gerne von euren Eindrücken und was ihr sonst dabei in Bad Oldesloe erlebt habt.

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