Mitten in der Nacht ging es am Sonntag mit der Regionalbahn zum ersten Saisonspiel unseres FC St. Pauli beim Aufsteiger 1. FC Magdeburg.

Mit fast unveränderten Kader im Vergleich zum Vorjahr startete unser FC St. Pauli in die neue Spielzeit. Ich denke, wir sind alle sehr gespannt, was die Kiezkicker diese Saison zeigen können. Das Potential ist groß! Vielleicht zeigen sie es dieses Jahr endlich.

Nachdem die Vorstadt am Freitag ein weniger erfolgreiches Ergebnis eingefahren hatte, war die Schadenfreude und die Untergang Prophezeiung in unserer Fanszene extrem hoch. Jedes Tor durch Kiel wurde bejubelt wie der Derbysieg. Das ganze schon, bevor wir es besser gemacht haben. Mir fehlte ein wenig Demut nach der wirklich verkackten Vorsaison und Vorvorsaison. Das hat auch was mit Karma zu tun. Wie wir alle Wissen (sollten) ist Karma ein Arschloch. Das kann also auch böse nach hinten losgehen. Also lasst uns in Zukunft einfach mehr auf uns selber konzentrieren!

Die Anreise nach Magdeburg

Glücklicherweise waren die meisten Mitreisenden in dem komplett überfüllten Zug mehr auf das Spiel in Magdeburg fixiert, als auf das Spiel vom Freitag. Die Fahrt sollte bis Magdeburg Hauptbahnhof gehen und von dort zur Station Herrenkrug, wo wir dann einen ewigen Fußmarsch vor uns haben würden.

Aber das wäre ja zu langweilig und so entschied die Fanszene einfach eine Station früher (in Magdeburg-Neustadt) auszusteigen. Der Bahnhof war richtig runtergerockt. Alle Scheiben waren eingeschlagen, es gab kein Licht und es war nichts in diesem Bahngebäude außer Finsternis und natürlich wir auf der Durchreise. Vor der Tür sah das nicht wirklich besser aus. Erstes Gebäude direkt auch eine Ruine, wie der Bahnhof. Ich frage mich ernsthaft, welches Designkonzept die Bahn dort verfolgt. Lost Places? 😉

Fc St Pauli Vs 1 Fc Magdeburg Fanmarsch Hinweg

Fußmarsch zum Stadion

Nun spazierten wir also entspannt durch Magdeburg und machten ein wenig Krach. Nach ein paar hektischen und improvisierten Straßensperren wurden wir irgendwie auch erwartungsgemäß in eine Sackgasse gelenkt und dort gekesselt. Die Lage blieb entspannt. Es gab keinen Stress mit Leuten von uns, erstaunlicherweise aber auch nicht mit der Polizei. Nach bestimmt 30 Minuten, nachdem die Cops die gefühlt ganze Stadt abgesperrt hatten, durften wir nun weiter Richtung Stadion laufen. Vom Hauptbahnhof hörten wir später, dass die Polizei komplett verwirrt war, das der Zug dort leer ankam. Als denen klar wurde, was passiert ist, verließen sie panisch den Hauptbahnhof und wurden dann wohl für die Straßensperrungen eingeteilt. Sehr vernünftig.

Fc St Pauli Vs 1 Fc Magdeburg Fanmarsch Polizeibegleitung

Über die Elbe (bzw. das, was von ihr dort noch über ist) und Hauptstraßen ging es in einem knapp einstündigen Fußmarsch zur MDCC-Arena. Diese liegt irgendwie komplett charmlos mitten in einem Industriegebiet oder sowas ähnlichen. Schön geht anders. Dort angekommen, gab es gratis Wasserflaschen für uns Wandersleut. Bei dem Wetter und nach diesem Marsch tat das auch echt gut. Dann trampelten wir deren Trainigsplätze kaputt, bis wir dann im Stadion ankamen. Eine wirklich lasche Einlasskontrolle später (hätte bequem ein U-Boot mit reinbekommen) waren wir dann in diesem Wellblechkasten. Sieht ein wenig aus wie eine missglückte Kreuzung aus den Stadien von Bochum und Rostock.

Fc St Pauli Vs 1 Fc Magdeburg Fanmarsch Stadion

Die Akkustik war in Summe sehr geil, auch wenn meine wundervolle Frau sagte, am Fernseher hatte man überwiegend nur die Magdeburger gehört. Die wiederum hörte man recht wenig im Stadion. Scheint also nur im eigenen Block ein knaller Sound zu sein. Wenigstens durften wir im Vergleich zum Heimblock hüpfen. Ist natürlich auch die Lieblingsbeschäftigung bei rund 30 Grad. 😀

Relax, mach kein Stress!

Dann war endlich Fußball! Leider kam es am Rand vom Block immer wieder zu völlig unnötigen Stress-Situationen, die auch einmal mit der Faust geregelt wurden. Ich vermute der Auslöser war die Enge auf den Treppen, da die Leute im Gang stehen blieben statt nach oben durchzugehen. Wie es halt auch leider so ist, extrem viele Leute waren mehr mit Bier holen beschäftigt, als mit Fußball gucken. Dadurch kam es halt auf der Treppe immer wieder zu mega Stress, weil niemand mehr so richtig durchkam. Auf jeden Fall komplett unnötig das Ganze. In der zweiten Halbzeit war das ganze wesentlich entspannter, die Leute vom Gang standen nun wo anders. Diese Situationen trübten ein wenig den ganzen Spaß. Aber rücksichtsloses Verhalten gibt es leider auch immer wieder in unserer Fanszene. Da müssen wir alle dringend dran arbeiten!

Aufstellung von FC St. Pauli 1. Herren

Mit Marvin Knoll und ohne Aziz Bouhaddouz im Kader war das Team von Trainer Markus Kauczinski nach Magdeburg gefahren. Ob das Fehlen von Bouhaddouz ein Indiz dafür ist, dass er bald in einem anderen Trikot aufläuft, bleibt abzuwarten.

In der Startaufstellung standen in diesem Spiel:

Himmelmann, Buballa, Avevor, Ziereis, Zander, Knoll, Flum, Möller Daehli, Buchtmann, Sobota, Allagui

Auf der Bank machten es sich bequem:

Brodersen, Park, Sahin, Dudziak, Neudecker, Diamantakos, Nehrig

Das Spiel FC St. Pauli gegen 1. FC Magdeburg

Fc St Pauli Vs 1 Fc Magdeburg Choreo

Die erste Halbzeit in Magdeburg

In der Anfangsphase machten die Magdeburger das Spiel und hatten auch die erste Chance, die Robin Himmelmann gut verhindern konnte. In der 16. Minute erzielte dann Beck nach einem Stellungsfehler von Philipp Ziereis das 1:0 aus 10 Metern. Allerdings stand der Magdeburger im Abseits. Aber das hatte der Linienrichter nicht gesehen. Somit ging das Heimteam etwas glücklich in Führung.

Nun versuchte der 1. FC Magdeburg hinten dicht zu machen und lauerte weitesgehend nur noch auf Konter. Der FC St. Pauli konnte nun das Spiel machen und belohnte sich nach knapp 30 Minuten mit dem Ausgleich durch Christopher Buchtmann. Vorbereitet hatte diesen Luca Zander mit einem tollen Einsatz.

Die Kiezkicker machten weiter das Spiel, konnten aber nicht mehr ernsthaft gefährlich vor das Magdeburger Tor kommen und somit ging es mit dem 1:1 in die Kabine.

Die zweite Halbzeit in Magdeburg

Beide Teams tasteten sich erstmal ab. Dabei ging keines der beiden Teams hohes Risiko, weshalb Torraumszenen vorerst Mangelware waren. Doch mit jeder Minute bekam der FC St. Pauli mehr Spielanteile, doch wirklich torgefährlich wurde es nicht.

Kauczinski brachte nun Neudecker und Diamantakos für Buchtmann und Allagui. In der 81. Minute gab es einen Freistoß für den FC St. Pauli nach Foul an Waldemar Sobota. Marvin Knoll schlenzte das Spielgerät über die Mauer in das Tor zur verdienten 1:2 Führung. Riesen Ding! Einen Freistoßtreffer habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

In der Nachspielzeit hatten die Magdeburger eine ähnliche Freistoßchance, der Ball ging aber klar am Kasten vorbei und dann war auch Schluss.

Fazit zu diesem Spiel

Sankt Pauli war über die ganzen 90 Minuten gesehen das klar bessere Team. Das Tor von Magdeburg war ein Abseitstreffer, ansonsten versuchte das Heimteam sich mit zustellen und kontern. Die Boys in Brown kämpften sich hingegen zurück in das Spiel, gaben die Bälle nicht kampflos her und gewannen somit verdient gegen den Liganeuling 1. FC Magdeburg.

Aber was meine Meinung nach diesem Spiel weiter bestätigt, Allagui gehört nicht in die Box vorne. Meines Erachtens ist er ein Linksaußen und auf dieser Position hat er in Pflichtspielen auch die auffälligsten Spiele für uns gemacht. Mal sehen wie es wird, wenn wir unseren neuen Holländer im Sturm haben.

Die Rückfahrt nach Hamburg

Nach dem Feiern mit der Mannschaft trampelten wir weiter den Trainingsplatz kaputt. Am Ausgang haben dann USPler wieder gratis Wasser verteilt. Danke für euren Einsatz! Unsere Bezugsgruppe war erst ein wenig Orientierungslos, da wir nun ja zu einem anderen Bahnhof sollten. Ein Polizist sagte sinngemäß „Mal sehen wo die Ultras lang wollen“.

Nun ging der Marsch zum Bahnhof Herrenkrug los. Über Nebenstraßen und durch ein Naturschutzgebiet marschierten wir mindestens 45 Minuten durch Magdeburg. Inzwischen hatten wir wohl alles in diesem Ort gesehen und langsam wurde es anstrengend. Ein Shuttlebus wäre nett, aber gibt es in Magdeburg halt nicht. Gehen zu oft die Busse kaputt, war die Ausrede. Viel Spaß an alle Fanszenen, die hier bei Regenwetter oder im Winter rumlaufen müssen. Die Anreiseorganisation ist einem Zweitligisten nicht würdig! Schon alleine, weil man in der Mobilität eingeschränken Menschen das Leben unnötig schwer macht.

Fc St Pauli Vs 1 Fc Magdeburg Fanmarsch Rueckweg

Kurz bevor wir dann am Bahnhof ankamen, gab es schon die Durchsage, die Bahn stehe bereit und fährt in 3 Minuten. Gelächter ging durch die Reihen. Ein paar, die vorneweg gelaufen waren, hatten aber bereits die Türen aufgehalten, so dass wir entspannt in den bis auf den letzten Quadratzentimeter gefüllten Zug einsteigen konnten. Nun begann der ganz normale Bahnwahnsinn.

Kommunikation wie Amateure

Wir waren irgendwann endlich alle in der Bahn. Dann gab es die Durchsage, dass der Zug nach Uelzen außerplanmäßig nun auch an diesem Bahnhof hält. Die Freude war groß und alle stiegen wieder aus der Bahn aus. Nun gab es wieder andere Infos. Wir sollen alle mit dieser Bahn nach Magdeburg-Neustadt fahren, hier bekämen wir gerade so noch den Zug nach Uelzen. Viele stiegen wieder ein und fuhren dann nach Neustadt. Einige wartete auf den Nachfolgezug, der kaum 10 Minuten später kam. Dieser sollte nach Braunschweig fahren. Kurz wurde überlegt nicht in Magdeburg auszusteigen und bis Braunschweig zu fahren. Aber wir spekulierten noch vielleicht doch am Hauptbahnhof einen guten Anschluss zu bekommen. Also stiegen wir aus und gingen auf dem improvisierten Metall-Gerüst-Bahnsteig Richtung Bahnhofsgebäude.

Wären wir doch nur wieder Richtung Neustadt gegangen, es wäre alles so viel schneller gegangen. War also eine gute Entscheidung auf dem Hinweg nicht bis Hauptbahnhof zu fahren.

Gefangen am Hauptbahnhof Magdeburg

Dann wurden wir von der Polizei aufgehalten, wir durften nicht in den Bahnhof. Es gab ein paar Versuche einzelner durchzubrechen, aber letztendlich wurden wir auf dem Parkplatz in der prallen Sonne gekesselt, wohl auch, weil einige Magdeburger noch im Bahnhof waren. Wir hörten inzwischen, dass in Magdeburg-Neustadt nicht alle in den Zug nach Hamburg reingekommen sind. Die gestrandeten wurden zum Hauptbahnhof gebracht.

Wir durften den Kessel nicht verlassen und hatten keine Möglichkeit uns mit Trinken und Essen zu versorgen. Besonders Trinken ist bei dem Wetter extrem kritisch. Einige FC St. Pauli Anhänger waren richtig sauer, was bei dieser Situation aber auch mehr als verständlich war. Die Leute bei dem Wetter vom Trinken abzuhalten grenzt an Körperverletzung. Auch Frauen nicht auf WC zu lassen geht überhaupt nicht!

Es war auch viel Hamburger Polizei vor Ort. Die waren komplett entspannt und haben auch nicht so wirklich verstanden, was das Problem der Einsatzleitung ist und warum wir uns nicht um Essen und Trinken kümmern dürfen. Ist halt blöd, wenn man im Job keine eigenen Entscheidungen treffen darf und nur stumpf Befehle ausführen muss.

Doch ich hatte den Eindruck, die Hamburger Cops waren bemüht und besorgten Wasser, erst 3 Sixpacks, später mehr. Somit konnte viele wenigstens ein wenig was trinken. Hier auch einfach mal Danke, kommt ja leider selten genug vor mit dieser Berufsgruppe. Aber das Einsatzkonzept gilt es trotzdem kritisch aufzuarbeiten!

Die Flucht aus Magdeburg

Irgendwann durften wir in den Bahnhof und beim Bäcker Essen und Trinken besorgen, kurz bevor wir dann nach 1:30 Std. warten zum Gleis durften. In den engen Gängen ertönte „Sankt Pauli hat die Bombe, lalalalala, wir werden alle sterben, lalalalala“. Die Menschen guckten alle ein wenig irritiert. Ich fands witzig und habe nun wahrscheinlich für die nächsten 20 Jahre einen kranken Ohrwurm!

Die Bahn fuhr ein, wieder so ne Minibahn für uns alle. Aber Enge waren wir nun ja gewohnt und so ging es dann los Richtung Uelzen. Viele unserer Leute waren bereits durch Uelzen durch, als wir in Magdeburg losgefahren sind.

Durch den Auswärtssieg war die Stimmung noch entspannt, auch wenn die meisten nur noch auf Reserve liefen. Alle wollten einfach nur noch den Anschlusszug nach Hamburg bekommen. In irgendeinem Dorf auf halben Wege mit Grasbahnsteig wollte einer mit seinem Fahrrad einsteigen. Der Zug war aber komplett überfüllt und somit passte er nicht mehr mit Fahrrad rein. Der ältere Herr war aber sehr aggro und schob das Fahrrad so halb in die Tür und bestand auf die Mitfahrt. Die Zugbegleitung hatte ihn mehrfach gebeten das Fahrrad abzustellen und ohne mitzufahren. Aber er blieb stur. Nach 5 Minuten stampfte er dann (verständlicher Weise) wutentbrannt weg.

Ist es für die Deutsche Bahn wirklich so schwer bei so hohen erwarteten Fahrgastaufkommen einfach 1 oder 2 Waggons ranzuhängen? Das hätte sehr viele Menschen an diesem Tag sicher glücklich gemacht. Witzig war auch nen Opa, der an diesem Bahnhof dann entweder dem Radfahrer oder dem Zug den doppelten Stinkefinger zeigte. Anhand der Reaktion im Zug dürfte er aber den Radfahrer gemeint haben. Es gab auf jedenfall Szenenapplaus.

Die letzte Etappe

Der Übergang in Uelzen war knapp, aber funktionierte. Da die Züge deutlich größer sind, gab es wie auf der Hinfahrt, weniger Probleme mit dem Sitzen. Mit etwas über 2 Stunden Verspätung kamen wir dann am Hauptbahnhof Hamburg an. Was eine kranke Tour! Danke an die Magischen Otter und Freunde, die bei dieser Tour dabei waren!

Als nächstes spielen die Profis vom FC St. Pauli am Millerntor gegen Darmstadt. Das Spiel soll am 10.08.2018 um 20:30 Uhr stattfinden. Alle hin da!

Schade Magdeburger Jungs,
schade Magdeburger Jungs,
schade Magdeburger Jungs,
Punkte nur für uns!


Konrad

Moin, ich bin Konrad und bin Betreiber dieses Blogs. Meine Interessen sind Roter Stern Kickers 05, FC St. Pauli, Fahrrad fahren, Wordpress und SEO.